Was wollen die Männer?

Erste Männerversammlung in der Kreisverwaltung Bad Hersfeld

Was wollen die Männer?

Erste Männerversammlung in der Kreisverwaltung Bad Hersfeld

„Alle anderen Räume waren zu klein, wir mussten den großen Sitzungssaal reservieren“, bemerkte schmunzelnd Dirk Noll, Erster Kreisbeigeordneter in seiner Begrüßungsansprache zur ersten Männerversammlung der Kreisverwaltung. Mit 45 Männern sei die Teilnehmerzahl für eine solche Veranstaltung wirklich umwerfend. In lockerer Atmosphäre mit Kollegen ins Gespräch zu kommen, mit denen man sonst eher wenig Berührungspunkte besitzt, und zwar zu Themen wie Familie und deren Vereinbarkeit mit dem Beruf, das sei für ihn das wesentliche Ziel, sagte Noll. 

Auch Corinna Zehender, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte und Initiatorin des Männertages, lobte die hohe Resonanz auf die Einladung. Das Datum fiele übrigens nicht zufällig auf den 19.11., denn das sei der Internationale Männertag: „Dieser Tag soll Aufmerksamkeit für die körperliche und geistige Gesundheit von Jungen und Männern sowie für Gleichberechtigung und spezifisch männliche soziale Themen schaffen.“ 

Als Referent geladen war Ralf Ruhl, Männerberater der AWO im Werra-Meißner-Kreis. In seinem Eingangsstatement stellte er dar, wie die grundsätzliche Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern in patriarchalen Gesellschaften sei. Dabei bemühte er ein Zitat aus Schillers Ballade „Die Glocke“: „Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben und drinnen waltet die züchtige Hausfrau.“ Das habe der Dichter zwar ironisch gemeint, aber es bringe die Situation auf den Punkt. 

Aus dieser Aufteilung der Arbeitsorte hätten sich typische Zuständigkeiten entwickelt: Männer sind für die Erhaltung der Familie zuständig, Frauen für deren Gestaltung, somit auch für Kommunikation und Emotion. Welche Konflikte sich daraus innerhalb des Paares und der Familie ergeben, das sammelten die Teilnehmer auf Moderationskarten. Typische Streitpunkte waren Haushalt, unterschiedliche Sauberkeits- und Ordnungsvorstellungen, die Verwendung des Geldes, sowie die Aufteilung der anfallenden Arbeiten. 

„Zeit für mich“

Einen typischen Wochentag erarbeiteten die Teilnehmer in Kleingruppen. In einer Art Tortendiagramm stellten sie dar, für welche Tätigkeiten sie wieviel Zeit aufwendeten. Wenig überraschend: Der größte Teil des Tages ist der Erwerbsarbeit gewidmet, insbesondere, wenn Fahrzeiten hinzugerechnet werden. Den meisten Männern bleiben für Familie, Partnerin, Freunde, Sport und Hobbys deutlich weniger als drei Stunden. 

Woraus sich die Frage ergab, wofür sie denn gern mehr Zeit hätten. Hier kamen wieder die Moderationskarten zum Einsatz. Genannt wurden vor allem „Partnerin“, „Freunde“ – und insbesondere „Zeit für mich“. Diese wurde spezifiziert als eine „Zeit, die nur mir gehört“, in der es keine Ansprüche und Erwartungen von außen gebe. Wie dieser Teil der Torte zu vergrößern sei, darüber gab es in einer sehr angeregt und solidarisch geführten Diskussion selbstverständlich unterschiedliche Ansichten. Genannt wurden unter anderem: das eigene Arbeitszeitmodell überdenken, anfallende Hausarbeit gemeinsam erledigen, Hausarbeit anders aufteilen, Familienarbeit neu denken. All dies, darin waren sich alle einig, könne jedoch nur gelingen, wenn man darüber mit der Partnerin „in guter Kommunikation“ sei. 

Die angesetzten drei Stunden waren mit diesem Programm prall gefüllt. Dem Wunsch nach weiteren Treffen stand die Gleichstellungsbeauftragte wohlwollend gegenüber. (HW)